Das PCO-Syndrom: Symptome und Behandlung

Sie ist eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit und dennoch wissen viele nichts darüber: Die Hormonerkrankung PCOS tritt bei etwa 5 bis 10 Prozent der gebärfähigen Menschen mit Eierstöcken auf. In diesem Beitrag erklären wir, was PCOS genau ist, was typische Symptome sind und wie es um die Behandlungsmöglichkeiten steht.

Was ist das PCO-Syndrom?

Bei PCOS handelt es sich um eine Störung im hormonellen Regelkreis – deren genaue Ursache ist unbekannt. Es wird jedoch vermutet, dass die Wirkung des Follikelstimulierenden Hormons (FSH) durch strukturelle Veränderungen blockiert ist. 

Wer ist von PCOS betroffen?

In der Regel liegt das erste Auftreten des Polyzystischen Ovarsyndroms (Polyzystisches Ovarialsyndrom), kurz PCOS, zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr. Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland etwa 1 Million Menschen mit Eierstöcken unter dem PCO-Syndrom leiden. 

Was passiert bei PCOS im Körper?

Die Konzentration des Luteinisierenden Hormons (LH) im Blut ist dauerhaft erhöht, die des Follikelstimulierenden Hormons (FSH) ist normal bis verringert. Insbesondere die männlichen Sexualhormone Testosteron und Androstendion werden hingegen überproduziert. 

Dieses hormonelle Ungleichgewicht hat eine Fehlfunktion der Eierstöcke (Ovarien) zur Folge: An den Eierstöcken der Betroffenen finden sich viele kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume beziehungsweise Eibläschen, sogenannte Zysten. Die Eierstöcke zeigen jedoch eine große Variationsbreite, sie können völlig unauffällig oder von Zysten durchsetzt sein.PCO, Polyzystisches Ovarialsyndrom Die Definition polyzystischer Ovarien ist nicht einheitlich. Eine der am häufigsten gebrauchten Definitionen laut Universitätsklinikum Münster: „Von polyzystischen Ovarien (Eierstöcken) spricht man, wenn bei der Ultraschalluntersuchung mindestens 10 Eibläschen, meist zwischen einer Größe von 12 und 8 mm nachgewiesen werden. Vom Syndrom polyzystischer Ovarien spricht man, wenn polyzystische Ovarien mit einer Reihe charakteristischer hormoneller und stoffwechselbezogener Veränderungen einhergeht.“

PCOS und Zyklusstörungen

Eine weitere Folge der vermehrten Bildung männlicher Hormone: Eine Störung des hormonellen Gleichgewichtes und somit Unregelmäßigkeiten im Menstruationszyklus. Die Zyklen dauern nicht selten länger als 35 Tage und gelegentlich bleibt die Blutung ganz aus. 

Durch das hormonelle Ungleichgewicht können sich die Eibläschen (Follikel) in den Eierstöcken nicht richtig entwickeln. Der Eisprung wird durch die Anreicherung von Bindegewebe um den Eierstock erschwert und die Gebärmutterschleimhaut baut sich nicht wie im Regelfall auf. All diese Veränderungen führen dazu, dass ein Kinderwunsch bei den Betroffenen oftmals nur schwer zu erfüllen ist. 

Symptome von PCOS

Das Ausmaß der Symptome ist unterschiedlich und es treten nicht immer alle Merkmale zugleich auf. Typische PCOS-Symptome sind:

  • Zyklusstörungen (sehr unregelmäßige Menstruation oder Ausbleiben der Blutung)
  • Haarausfall auf dem Kopf (Glatzenbildung), dafür starker, typisch maskuliner Haarwuchs am Körper und/oder im Gesicht
  • weitere maskuline Merkmale: tiefe Stimme, maskuline Statur, unterentwickelte Brüste, übergroße Klitoris
  • Schwierigkeiten bei der Gewichtskontrolle, Übergewicht
  • Hautprobleme wie Akne (über die Pubertät hinaus)
  • psychische Probleme und Auswirkungen auf psychosozialer Ebene aufgrund der oft belastenden körperlichen Merkmale (bis hin zu Depressionen)

Übrigens: Bei einigen Patient:innen entstehen in der Pubertät polyzystische Ovarien, die sich jedoch im Laufe des Erwachsenenalters wieder zurückbilden. In diesem Fall spricht man von einem temporären multizystischen Ovarialsyndrom.

In Deutschland sind über 70 Prozent der PCOS-Betroffenen im gebärfähigen Alter übergewichtig oder adipös (fettleibig). Zudem besteht bei einem Großteil eine Insulinresistenz.

Welche Ursache hat PCOS?

Die Ursachen des PCOS sind grundsätzlich unklar, obwohl die Hormonerkrankung bereits seit dem 18. Jahrhundert bekannt ist. Untersuchungen ergaben jedoch Hinweise auf erbliche Faktoren. Das Syndrom wird den Betroffenen also oftmals in die Wiege gelegt, manifestiert sich jedoch erst mit dem Beginn der Pubertät.

Diagnose: gründlich und umfassend

Zu Beginn steht ein ausführliches gynäkologisches Gespräch zur individuellen Krankengeschichte (u.a. Menstruationszyklus, Pubertät, erbliche Krankheiten in der Familie). Dazu kommt eine körperliche Untersuchung, bei der Hautbild und Körperbehaarung beurteilt und Bluttests durchgeführt werden. Letztere geben Auskunft über den Hormonhaushalt, die Glukosetoleranz (den Umgang des Körpers mit Zucker) sowie den Cholesterinspiegel. Bei Verdacht auf das PCO-Syndrom werden die Eierstöcke per Ultraschall untersucht.

Therapiemöglichkeiten bei PCOS

Wurde PCOS diagnostiziert, steht die Frage im Raum: Ist PCOS heilbar? Eine Möglichkeit, PCOS zu heilen, gibt es derzeit tatsächlich nicht. Es ist jedoch durch unterschiedliche Therapiemethoden möglich, die Beschwerden zu lindern. Die Therapie richtet sich dabei nach den individuellen Bedürfnissen und Symptomen.

Die erhöhte Produktion der männlichen Geschlechtshormone kann durch die Einnahme der Antibaby-Pille oder durch Cortison (Glukokortikoide) gehemmt werden, sollte kein Kinderwunsch bestehen. 

PCOS und Kinderwunsch

Ist eine Schwangerschaft geplant, kann durch diverse Medikamente und Hormone die körpereigene Bildung der Hormone FSH und LH stimuliert werden, um einen Eisprung auszulösen. Einer dieser Arzneistoffe ist beispielsweise Clomifen. Hierbei können jedoch Nebenwirkungen auftreten, wie eine Überstimulation der Ovarien mit Zystenbildung und krankhaften Flüssigkeitsansammlungen in der Bauchhöhle (Aszites). 

Die Therapie des PCO-Syndroms ist grundsätzlich ein recht langwieriger Prozess. Tritt auch nach einem Jahr keine Besserung auf, sollte die Behandlung überdacht werden. 

Therapie durch Ernährungsumstellung

Um den gestörten Hormonhaushalt zu regulieren und die PCOS-Symptome zu mildern, wird eine Veränderung des Lebensstils und der Ernährungsgewohnheiten empfohlen.

Dos:

  • Vollkornprodukte
  • Gemüse
  • Raps-, Walnuss- oder Leinöl (Omega-3-Fettsäuren)
  • Bewegung und Sport

Don’ts:

  • Weißmehlprodukte
  • Süßigkeiten
  • Ungesunde Fette 

Tipp: Eine hilfreiche Übersicht liefert die PCOS-Broschüre der PCOS Selbsthilfe Deutschland e.V.

Schwangerschaft und PCOS: Was ist zu beachten?

Ein unerfüllter Kinderwunsch ist ein häufiges Problem bei Menschen mit PCOS und betrifft ca. 40 bis 70 Prozent der Patient:innen. Grund dafür ist der unregelmäßige Zyklus: Der Eisprung findet nur selten bis gar nicht statt. Die Diagnose PCOS bedeutet aber nicht zwangsläufig, nicht schwanger werden zu können oder gar unfruchtbar zu sein.

PCOS als Ursache für eine Fehlgeburt

In den frühen Stadien der Schwangerschaft erleben POCS-Erkrankte häufiger eine Fehlgeburt. Die Frühabortraten liegen zwischen 30 und 60 Prozent. Eine detaillierte medizinische Erklärung hierfür gibt es bisher nicht.

Schwangerschaftsdiabetes im Zusammenhang mit PCOS

Auch die Wahrscheinlichkeit, an Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken, ist höher als bei anderen Patient:innen. Daher ist es fast unerlässlich, vor einer geplanten Schwangerschaft eine Verbesserung der Stoffwechselsituation und des hormonellen Ungleichgewichts anzustreben. 

Behandlung während der Schwangerschaft

Eine bestehende Schwangerschaft sollte regelmäßig überwacht werden. Zudem sollte frühzeitig ein OGTT (oraler Glukose-Toleranztest) durchgeführt werden und es wird empfohlen, die Schilddrüsenwerte kontinuierlich zu prüfen. Bleibt der Kinderwunsch auch nach sehr langer Zeit unerfüllt, kommt eine künstliche Befruchtung in Frage.

PCOS in den Wechseljahren

Bislang gibt es kein klares Bild zum Verlauf des PCO-Syndroms in späteren Lebensphasen, da verlässliche Ergebnisse von Langzeitstudien fehlen. Dass das Polyzystische Ovarsyndrom in der Zeit um und nach der Menopause neu auftritt, ist unwahrscheinlich. In jedem Lebensalter ist ein bereits bestehendes PCOS jedoch eine individuelle Mischung der verschiedenen Symptome.

So hilft die Ovy App:

Um Auffälligkeiten im Zyklus festzustellen, ist es ratsam, sich aufmerksam mit den eigenen Körper auseinanderzusetzen. Dabei helfen die Ovy App und das Ovy Bluetooth Basalthermometer: Wer täglich die Basaltemperatur und weitere Körpermerkmale dokumentiert, kann schnell feststellen, ob es Unregelmäßigkeiten im Zyklusverlauf gibt, wie etwa einen verzögerten Eisprung. Diese Selbstkontrolle ist der erste Schritt zur fundierten, unerlässlichen Diagnose bei einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen.

 

Quellen:

PCOS Selbsthilfe: Informationen für PatientInnen. 2013 [zitiert 21.07.2021]. Verfügbar unter: https://www.pcos-selbsthilfe.org/media/2014/PCOS-Patientinnen-Broschuere-2014.pdf

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Frauenärzte im Netz: Hyperandrogenämische, Normogonodotrope Ovarialinsuffizienz. o.J. [zitiert 21.07.2021]. Verfügbar unter: https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/stoerungen-der-eierstockfunktion/hyperandrogenaemische-normogonadotrope-ovarialinsuffizienz/ 

Deutsche Menopause Gesellschaft: Das Polyzistische Ovarsyndrom (PCOS) und Menopause – Was sollte ich wissen? 2020 [zitiert 21.07.2021]. Verfügbar unter: https://www.menopause-gesellschaft.de/themen/das-polyzystische-ovarsyndrom-pcos-und-menopause/

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