Verhütung mit der symptothermalen Methode

Die symptothermale Methode, auch natürliche Familienplanung (NFP) genannt, ist ein wissenschaftlich anerkanntes Verfahren, um die fruchtbare Phase zuverlässig zu bestimmen. Dafür kombiniert diese die tägliche Messungen der Basaltemperatur mit der Beobachtung des Zervixschleims oder des Muttermundes. Sobald du deine fruchtbare Phase identifiziert hast, kannst du dieses Wissen dann nutzen, um deine Verhütung zu planen oder einfach mehr über deinen Zyklus zu lernen.

Was bedeutet „symptothermal“

Der Begriff “sympto-thermal“ weißt bereits auf die Methode, wie der Zyklus der Frau beobachtet und ausgewertet wird, hin. Der Begriff fasst die beiden Schlüsselindikatoren der Fruchtbarkeit zusammen. Der erste Indikator der Fruchtbarkeit („sympto“) ist eine vermehrte schleimige Absonderung aus der Scheide, genannt Zervixschleim. Zusätzlich wird die Basaltemperatur oder auch Aufwachtemperatur („thermal“) als Zeichen für die Bestimmung der fruchtbaren Tage hinzugezogen. Frauen, die keinen oder wenig Zervixschleim beobachten, können den Gebärmutterhals als Symptom beziehungsweise Körpersignal ergänzen. Der Muttermund oder auch Gebärmutterhals verändert im Laufe des Zyklus seine Beschaffenheit (Lage, Öffnung, Festigkeit) und kann daher die Zervixschleimbeobachtung im Rahmen von NFP ersetzen.

Wie funktioniert der Zyklus

Der weibliche Zyklus dauert im Schnitt 28 Tage - von denen nur an sechs Tagen eine Befruchtung stattfinden kann. Nach dem Eisprung kann die Eizelle nämlich nur maximal 24 Stunden lang befruchtet werden und Spermien haben eine maximale Überlebensdauer von fünf Tagen. Das ergibt ein fruchtbares Fenster von sechs Tagen. Der Zeitpunkt des Eisprungs kann dabei schwanken und damit auch die erste Zyklushälfte (Phase von Periode bis Eisprung). Die Phase nach dem Eisprung hat bei den meisten Frauen ungefähr immer die gleiche Länge, im Durchschnitt 16 Tage und verändert sich von Zyklus zu Zyklus kaum.

So funktioniert die symptothermale Methode im Alltag

Du kannst mit der natürlichen Zykluskontrolle ohne vorherigen Arztbesuch, Schulung oder größere Anschaffung beginnen. Du brauchst dafür lediglich ein Basalthermometer zur Messung deiner Körperkerntemperatur und ein Medium für die Dokumentation zum Beispiel eine App.

Die Regeln, nach denen ausgewertet wird, findest du in der Literatur oder in einer App sind diese im Rechenalgorithmus hinterlegt. Wichtig ist, dass dein Basalthermometer auf zwei Nachkommastellen und drei Minuten genau misst, denn die Temperaturunterschiede, welche später Rückschlüsse auf den Eisprung geben, finden oft nur im Zehntel Bereich der Nachkommstelle statt.

Grundsätzlich gilt es dann, folgendes täglich zu tun: Morgens direkt nach dem Aufwachen misst und speicherst du deine Basaltemperatur und tagsüber notierst  weitere Symptome (unter anderem Zervixschleim) durch eine Selbstbeobachtung deines Körpers. Beginne mit der Dokumentation idealerweise am Start deines Zyklus, das ist der erste Tag der Periode. Versuche vor allem, wenn die Methode neu für dich ist, in den ersten Zyklen wirklich jeden Tag zu messen und diszipliniert deine Daten zu dokumentieren.

Wie sicher ist die Methode?

Die Methode wird seit den Sechziger Jahren erforscht und in einer Vielzahl von Studien wurde die Gebrauchssicherheit der symptothermalen Methode und der Pearl-Indexes (PI) bestätigt. Dieser liegt bei 0,6 (zum Vergleich: Pille 0,2 bis 0,5 und Kondome 2 bis 12). Die Sicherheit der symptothermalen Methode wird nur in der Kombination mit dem Verzicht auf Geschlechtsverkehr an den fruchtbaren Tagen erreicht. Ovy ist bei regelmäßiger und gewissenhafter Anwendung sicher, allerdings noch kein zertifiziertes Verhütungsmittel.

Ein Pearl-Index bedeutet von 100 Frauen, die 1 Jahr lang (= zwölf Monate oder 13 Zyklen) symoptothermal verhütet haben, wurden 0,6 schwanger. Diese ungewollte Schwangerschaften können dann auf Methodenfehler oder Anwendungsfehler zurückgeführt werden.

Ovulationstestergebnisse werden nach NFP-Regelwerk nicht berücksichtigt, weil nicht abschließend geklärt ist, wie sie die Temperatur "überschreiben" dürfen. 

Die Bestimmung der nicht fruchtbaren Phase im Zyklus

Mit der symptothermale Methode werden zwei unfruchtbare Phasen ermittelt. Die erste unfruchtbare Phase ist am Zyklusanfang und die zweite unfruchtbare Phase nach dem Eisprung. Zu Beginn des Zyklus geht es um eine Vorhersage, was weniger sicher ist, als die unfruchtbare Phase nach dem Eisprung anhand der Fruchtbarkeitsindikatoren zu bestätigen.

Die nicht fruchtbare Phase am Zyklusanfang

Am Zyklusanfang kann noch keine definitive Aussage darüber getroffen werden, wann der Eisprung stattfinden wird, denn die symptothermale Methode ist eine retrospektive Methode. Es findet eine Prognose basierend auf historischen Daten darüber statt, wann der Eisprung mit großer Wahrscheinlichkeit nicht stattfinden wird. Hier können die ersten fünf Zyklustage als unfruchtbar angenommen werden, wenn im vorherigen Zyklus eine erhöhte Messung stattfand und kein Zervixschleim der Kategorie "f" oder höher am Zyklusanfang dokumentiert wurde.

Die nicht fruchtbare Phase am Zyklusende

Bei der unfruchtbaren Zeit nach dem Eisprung wird eindeutig festgestellt, dass der Eisprung stattfand. Wenn die Temperatur ansteigt und erhöht bleibt und sich der Zervixschleim von fruchtbar in unfruchtbar verändert, kannst du nicht mehr schwanger werden. 

Für Anfängerinnen gilt die „strenge Form“ der Verhütung

Für Frauen, die mit der Methode beginnen und in einer „strengen Form“ verhüten möchten, haben am Anfang nur ungeschützten Verkehr, wenn der Eisprung nachgewiesen wurde – also in der unfruchtbaren Phase nach dem Eisprung. Sie nehmen ab dem ersten Tag ihrer Menstruation an, dass sie fruchtbar sind. Frauen, die diese Methode neu anwenden, sollten die tägliche Erfassung der Basaltemperatur und weiterer Symptome mindestens über drei Zyklen praktizieren, um ihren Temperaturfall und -anstieg und damit den Eisprung zu finden.

Wenn eine Frau auch in ihrem fruchtbaren Fenster täglich Geschlechtsverkehr haben möchte, funktioniert die symptothermale Methode nur in Kombination mit einem komplementären Verhütungsmittel, zum Beispiel einem Kondom. Wichtig: Die symptothermale Methode schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten. 

Für wen ist die symptothermale Methode geeignet

Nachdem sie über die symptothermale Methode recherchiert haben, stellen sich vielen Frauen die Frage, ob diese Methode für sie alltagstauglich ist. Die Verhütung mit der symptothermalen Methode ist für folgende Frauen geeignet:

  • Frauen, die Risiken hormoneller Verhütung vermeiden wollen
  • Frauen mit geregelten Schlafzyklen und der Bereitschaft täglich zu messen und Daten zu dokumentieren
  • Frauen, die ein Bewusstsein für ihren Zyklus und Körper entwickeln möchten
  • Frauen, die anhand digital erfasster Daten, bestmögliche Vorhersagen über ihre reproduktive Gesundheit treffen wollen
  • Frauen, die einen Kinderwunsch haben und den Tag ihres Eisprungs finden wollen

Die Verhütung mit der symptothermalen Methode ist für folgende Frauen nicht geeignet:

  • Frauen, für die eine Schwangerschaft lebensbedrohlich ist
  • Teenager und Frauen, die stark unregelmäßige Zyklen haben (zum Beispiel länger als 56 Tage)
  • Frauen, die eine tägliche Messung zur gleichen Zeit und ein Schlaffenster von mindestens vier Stunden nicht garantieren können, zum Beispiel wegen einer reisenden Tätigkeit, Schichtarbeit, in der Stillzeit
  • Frauen, die keine Zeit für die Messung und Selbstbeobachtung haben

Pille absetzen und loslegen

Falls du darüber nachdenkst von einer hormonellen Verhütungsmethode (Pille, Verhütungsring, Verhütungspflaster, Hormonspirale) auf eine natürliche Methode wie der symptothermalen Methode umzusteigen, ist dies problemlos möglich. Allerdings gilt für den ersten Zyklus eine spezielle Methodenregel, der sogenannte „Post-Pill-Modus“.

Du brauchst keinen kompletten Zyklus abzuwarten, bevor du mit der symptothermalen Methode anfängst. Du beginnst idealerweise am ersten Tag der Periode beziehungsweise der Abbruchblutung, daher am Zyklusbeginn mit der Dokumentation.

Grundsätzlich ist es so, dass du schon im ersten Zyklus nach Absetzen der Pille annehmen musst, schwanger werden zu können. Die ersten 5 Tage gelten als unfruchtbar, es sei denn, anhand des Zervixschleims wird die Fruchtbarkeit davor erkannt.

Das besondere beim Post-Pill-Modus, du benötigst einen zusätzlichen Temperaturwert, daher müssen vier statt drei aufeinanderfolgende Messwerte alle höher sein, als der höchste Wert der sechs vorangegangenen Messwerte. Der dritte höhere Wert muss aber nicht 0,2 Grad Celsius höher sein.