Pille absetzen: Was in deinem Körper passiert, wenn du die Pille absetzt

Obwohl sie eine der sichersten Verhütungsmittel ist, zweifeln immer mehr Frauen an der Pille. Denn die Liste der Nebenwirkungen ist lang – und neuere Studien zeigen immer deutlichere Hinweise auf Zusammenhänge zwischen der Einnahme der Pille und Krankheiten wie Thrombose oder Depressionen.

Das hat zur Folge, dass sich die Einstellung vieler Frauen gegenüber hormoneller Verhütungsmethoden verändert: Laut einer aktuellen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind sich 55 Prozent der deutschen Frauen der negative Auswirkungen der Antibabypille auf den Körper bewusst. Auch 38 Prozent der Frauen, die mit Pille verhüten, stimmen dem zu.

Klar ist: Die Pille macht mehr mit uns, als nur eine mögliche Schwangerschaft zu verhindern. Deshalb denken viele darüber nach, auf die tägliche Hormondosis zu verzichten und die Pille abzusetzen. Wir klären, was es dabei zu beachten gibt, was sich in deinem Körper ohne Pille verändert und wie lange die Umstellung dauert. 

Was macht die Pille mit meinem Körper? 

Das kommt ganz darauf an. Denn Pille ist nicht gleich Pille: 

  • Die Kombinationspille enthält eine Kombination aus den beiden Sexualhormonen Östrogen und Gestagen und unterdrückt den Eisprung. 
  • Die Minipille hingegen enthält nur Gestagen, was die Gebärmutter so verändert, dass Spermien nicht eindringen und Eizellen sich nicht einnisten können. 

Nebenwirkungen der Pille, die du vielleicht bemerkst

Hormone beeinflussen den gesamten Körper. Deshalb geht die Einnahme der Pille auch nicht spurlos an dir vorbei. Diese Nebenwirkungen lassen sich unter Umständen auf die Pille zurückführen:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Eine der großen Gefahren der Antibabypille ist das erhöhte Thromboserisiko. Vor allem bei Kombinationspillen der 3. und 4. Generation besteht die Gefahr von Blutgerinseln in den Gefäßen. Deshalb ist die Pille insbesondere für Raucherinnen ein absolutes No-Go.

  • Wassereinlagerungen & Gewichtszunahme
  • Das Östrogen in der Pille bindet bis zu 2 Liter Wasser im Körper, weshalb einige Frauen eine Gewichtszunahme spüren. 

  • Weniger Lust auf Sex
  • Frauen nehmen die Pille mit einem Ziel: nicht schwanger werden. Bei manchen klappt das so gut, dass ihnen die Lust auf Sex ganz vergeht, denn die Hormone der Pille können auch die Libido beeinflussen. 

    Erst nach dem Absetzen der Pille normalisiert sich der natürliche Hormonhaushalt und die sexuelle Lust kommt zurück. 

  • Migräne & Kopfschmerzen
  • Deine monatliche Blutung unter der Pille kommt stets im Doppelpack mit unangenehmen Kopfschmerzen oder Migräne? Studien zeigen, dass die Verhütung mit der Pille durch den plötzlichen Abfall des Östrogenspiegels in der einwöchigen Pillenpause, Migräne auslösen oder verstärken kann. 

  • Depressionen & geringes Wohlbefinden 
  • Eine Studie der Universität Kopenhagen zeigte, dass die Wahrscheinlichkeit einer diagnostizierten Depression bei Frauen, die eine Kombinationspille nahmen, um 23 Prozent höher war. 
    Der negative Einfluss der Pille auf die Psyche und das allgemeine Wohlbefinden zeigt sich laut einer anderen Studie schon nach knapp drei Monaten. Die Frauen gaben an, ihre Emotionen weniger kontrollieren zu können und weniger Energie zu haben. 

  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Zu den weniger offensichtlichen Nebenwirkungen der Pille zählen Wechselwirkungen mit anderen Hormonen. So kann sich der durch die Pille erhöhte Östrogenspiegel auch auf Schilddrüse und Stoffwechsel auswirken. Die Schilddrüse steuert wichtige Stoffwechselmechanismen des Körpers. Fehlen die dazu nötigen Mineralstoffe, kann das Organ nicht mehr genügend T3 und T4 Hormone produzieren und freisetzen. Die Folge: Du hast ständig kalte Hände und Füße, fühlst dich schwach und antriebslos, bist vergesslicher und nimmst schneller zu. 

    Welche hormonfreien Alternativen zur Pille gibt es?

    Die gute Nachricht: Es geht auch ohne! Diese 6 Verhütungsmittel funktionieren ganz ohne Extra-Hormone:

    • Kupferkette, -spirale, -perlenball werden in die Gebärmutter eingeführt und auf unterschiedliche Weise befestigt. Das Kupfer verändert den Schleim, sodass sich kein befruchtetes Ei einnisten kann. Nachteil: Die Eileiter können sich entzünden. 

    • Kondome sind der Klassiker unter den Verhütungsmitteln und haben den unschlagbaren Vorteil, dass sie auch vor Geschlechtskrankheiten schützen. Nachteil: Manche empfinden sie als Stimmungskiller. 

    • Verhütungscomputer messen die Konzentration von Östrogen und LH im Urin und bestimmen so die fruchtbaren Tage. 
    • NFP (natürliche Familienplanung) ist eine Form der symptothermalen Methode, bei der unter anderem Basaltemperatur und Zervixschleim beobachtet werden, um die fruchtbaren Tage zu ermitteln. Hier erfährst du, wie NFP im Detail funktioniert.

    Das solltest du beim Absetzen der Pille beachten

    Ob Kinderwunsch oder Pillen-Skepsis – wann der richtige Zeitpunkt zum Absetzen der Pille gekommen ist, muss jede Frau für sich selbst entscheiden. Lass dich nicht dazu überreden, wenn du nicht wirklich überzeugt bist. Denn unterbrichst du die Einnahme der Pille erst und fängst nach einigen Monaten doch wieder damit an, sie zu nehmen, bringst du deinen Hormonhaushalt nur unnötig durcheinander, was eine große Belastung für den Körper darstellt. Ist die Entscheidung gegen die Pille allerdings gefallen, kannst du in den folgenden Schritten vorgehen: 


  • Sprich mit deinem Arzt
  • Lass dich vorab von deinem/r Gynäkologen/in beraten. Falls du die Pille nicht nur zur Verhütung einnimmst, sondern aus medizinischen Gründen – zum Beispiel, um die Beschwerden des natürlichen Zyklus zu unterbinden oder eine Regelmäßigkeit herbeizuführen, lass dir erläutern, welche Konsequenzen das Absetzen für dich hätte und mögliche Alternativen aufzeigen.

  • Finde eine für dich geeignete, alternative Verhütungsmethode
  • Bevor du die Pille absetzt, sollte klar sein, wie es danach weitergeht. Jede Verhütungsmethode ist bekanntlich nur so sicher, wie sie angewendet wird – und für manche braucht man etwas Übung. Du willst gar nicht verhüten, sondern planst eine Schwangerschaft? Dann sind diese Infos für dich interessant.

  • Sprich mit deinem Partner 
  • Wenn du in einer Beziehung bist, weihe auch deinen Partner in dein Vorhaben ein. Vor allem, wenn ihr (noch) keine Kinder plant, sollte er richtig verstehen, welche Gründe dich dazu bewegen, die Pille abzusetzen. Verhütung ist nicht allein Frauensache. Vielleicht stellst du überraschend fest, dass sein Interesse an deinem Zyklus größer ist, als gedacht. Dann kannst du ihm mit der Ovy Partner-App ganz diskret Einblick gewähren. 

  • Nimm das Blister zu Ende
  • Jetzt bitte nichts überstürzen! Es ist sinnvoll die angebrochene Monatspackung aufzubrauchen. Wenn du einfach mittendrin aufhörst, kann es zu Zwischenblutungen und starken Hormonschwankungen kommen. Wer eine gestagenhaltige Minipille nimmt, kann jederzeit aufhören. 

  • Versuche das Stresslevel nach dem Absetzen niedrig zu halten
  • Stell dich darauf ein, dass deine Hormone verrückt spielen. Der Körper muss sich erstmal daran gewöhnen, wieder ohne die künstlichen Hormone der Pille zu funktionieren. Wenn eine besonders stressige Phase im Job oder ein langersehnter Urlaub bevorsteht, willst du vielleicht keine hormonelle Achterbahnfahrt riskieren. 

    Wie lange dauert es, bis sich der Zyklus wieder normalisiert hat?

    Die erste Periode nach dem Absetzen der Pille wird als "Abbruchblutung" bezeichnet. Die nächste Blutung nach dieser ersten Abbruchblutung ist die erste natürliche Periode. Im Normalfall wird die erste natürliche Menstruation nach etwa vier bis sieben Wochen einsetzen. Es kann aber auch vorkommen, dass die erste reguläre Regelblutung bis zu einem halben Jahr ausbleibt, bekannt als Post-Pill-Amenorrhoe. Ein Arzt sollte hier auf jeden Fall zu Rate gezogen werden. Aber keine Sorge, Störungen des Zyklus nach dem Absetzen hormoneller Verhütungsmittel normalisieren sich meistens wieder. Einige Frauen benötigen einfach eine längere Regenerationsphase.

    Mögliche Nebenwirkungen nach dem Absetzen der Pille

    Der erste Post-Pill-Zyklus beginnt bei allen gleich – mit der Abbruchblutung – und ist doch von Frau zu Frau ganz unterschiedlich. Nach dem Absetzen der Pille muss sich der Körper erstmal wieder daran gewöhnen, ohne Pille zu funktionieren, die zyklus-steuernden Hormone selbst zu produzieren und einen Eisprung herbeizuführen. Bei einigen dauert es einige Wochen, bis sich der Zyklus normalisiert hat, bei anderen Monate. Diese Umstellung ist häufig begleitet von Nebenwirkungen wie: 

    Gründe für (starke) Nebenwirkungen nach dem Pillenstopp

    Es gibt viele verschiedene Faktoren, die beeinflussen, wie der Körper nach dem Absetzen der Pille reagiert. Je nachdem in welchem Alter du mit der Pille angefangen hast, wie lange du sie eingenommen hast und wie dein gesundheitlicher Zustand ist, können die Auswirkungen ganz unterschiedlich sein. Und dann sind da auch noch die genetischen Veranlagungen, die es fast unmöglich machen, vorauszusagen, was ohne Pille in deinem Körper passiert. Die Krankheitsgeschichte der Mutter kann ein Anhaltspunkt sein, aber auch da sollte man sich nicht verrückt machen: Manche Frauen haben gar keine Nebenwirkungen nach dem Absetzen der Pille. 

    Was kann ich gegen Nebenwirkungen tun? 

    Du kannst deinen Körper mit natürlichen Mitteln bei den Herausforderungen des weiblichen Zyklus unterstützen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass du weißt, was er in welcher Phase braucht. Regelschmerzen lassen sich mit Wärme und Entspannung lindern, bei Hautprobleme benötigst du die richtige Pflege und ausgewogene Ernährung und bei PMS und unregelmäßigem Zyklus können auch Heilkräuter wie Mönchspfeffer helfen. 

    Wie schnell kann ich nach dem Absetzen der Pille schwanger werden?

    Theoretisch sofort. Laut Studien haben fast 100 Prozent aller Frauen schon im dritten Zyklus nach dem Absetzen einen Eisprung. Manchmal kann es auch ein bisschen dauern, bis sich Zyklus und Eisprung normalisiert haben. Wer ein Baby plant, sollte nach dem Absetzen mit etwa 3 bis 6 Monaten Wartezeit bis zur Schwangerschaft rechnen. 

    5 Vorteile nach dem Absetzen der Pille

    Jede Frau muss für sich entscheiden, ob die Pille das geeignete Mittel zur Verhütung ist. Der Absprung von der Pille hin zur natürlichen Alternative führt aber langfristig zu positiven Nebenwirkungen und Frauen, die diesen Weg gegangen sind, können sich den Weg zurück zur hormonellen Verhütung oft nicht mehr vorstellen. 

  • Gesundheitliche Risiken der Pille fallen weg 
  • Wie jedes andere Medikament birgt auch die Pille Risiken – beispielsweise die erhöhte Gefahr von Thrombose, Eierstock- oder Gebärmutterschleimhautkrebs. Dies normalisiert sich nach dem Absetzen wieder. 

  • Die Libido steigt wieder
  • Während der Einnahme der Pille setzen die synthetischen Hormone den Körper dauerhaft in den Zustand einer scheinbaren Schwangerschaft, die fruchtbare Phase wird unterdrückt – und das wirkt sich auch auf die Lust aus. Ohne Pille reguliert sich der Hormonhaushalt und das Interesse an Sex steigt wieder. 
     
  • Du nimmst tendenziell ab 
  • So leicht war Abnehmen noch nie! Östrogenbedingte Wassereinlagerungen verschwinden nach dem Absetzen wieder und das Gewicht normalisiert sich ganz von selbst. 

  • Die Laune hebt sich
  • Viele Frauen berichten auch von depressiven Verstimmungen und Kopfschmerzen während Einnahme der Pille, was natürlich massiv auf die Stimmung schlagen kann. Bis diese Nebenwirkungen verschwinden, kann es einige Monate dauern. Durchhalten! 

  • Das Gefühl für den eigenen Körper verbessert sich
  • Wenn sich Organismus und Hormonhaushalt normalisiert haben, stellen viele Frauen fest, dass ihr Körpergefühl ohne Pille ein ganz anderes ist. Sie gehen viel bewusster durch die verschiedenen Phasen ihres Zyklus, verstehen besser, warum sie sich manchmal schlapp fühlen und an anderen Tagen vor Energie strotzen. Manche Frauen spüren sogar ihren Eisprung – ein ganz neues Erleben der Weiblichkeit.